Eye of the Wind – Atlantiküberquerung der besonderen Art

Die Atlantiküberquerung mit der „Eye of the Wind“ war ursprünglich vom 01. bis 31. März 2020 geplant, doch Corona machte hier einen Strich durch die Rechnung. Das schöne Traditionsschiff wurde durch den „Lock down“ ausgebremst und die Reise unfreiwillig verlängert. So einen längeren Urlaub wünscht man sich vielleicht schon das eine oder andere Mal, besonders wenn man sich vor Ort auch wohlfühlt. Aber wenn so eine Situation dann eintrifft, ist es doch noch mal was anderes. 

Weitere Zeilen unten von einem Törn der „besonderen Art“ und wie Crew und Reisende diese Herausforderung meisterten. 


Die ursprüngliche Reiseroute ging von Tortola(Jungferninsel),über St. George´s(Bermudas), Horta und Insel Faial, die zu den Azoren gehört. Der Törn startete auch planmäßig und alle freuten sich auf eine tolle Zeit.

Am 10.03.2020 erreichten wir die Bermudas. Dort angekommen, hatte ich noch Zeit mir die Hauptstadt anzusehen und ein paar Besorgungen zu machen, unter anderem eine gefütterte Regenhose für die Nachtwachen. Da der entsprechende Laden gut 10 Meilen außerhalb des Zentrums lag, nahm ich mir ein Taxi. Beim Einsteigen fragte mich die Taxifahrerin, ob ich krank sei, weil ich doch sichtbar etwas unter den hohen Mittagstemperaturen litt. Sie gab mir auch entsprechende Hygienetücher für die Hände. Ich hatte zwar eine Ahnung, die allerdings wenig rational meine Gedanken beflügelte. Denn natürlich waren wir über den Ausbruch der Pandemie informiert. 

 Am Vormittag des 13. März 2020 verließen wir dann die Inselgruppe Bermuda wenn auch mit wenig Wind in Richtung Azoren. Beim Beginn meiner Wache Uhr gab es einen fantastischen Sternenhimmel zu bewundern und der abnehmende Mond tauchte das Schiff in grandioses Licht. Die ganze Pracht des Sternenhimmels kann wohl nur von einem Schiff aus auf dem Atlantik bewundert werden und war für mich einfach ein unvergesslicher Anblick. 

 Am 16. März 2020 wurden Mannschaft und Passagiere dann mit der Botschaft konfrontiert: „Europe is closed“ und zwar bis zum 4. April 2020. Zunächst kam diese Nachricht zwar überraschend, wurde aber von allen irgendwie auch schon erwartet. Denn bereits auf dem Flug zu den Bermudas hatten Passagiere über einen „Lockdown“ gesprochen und diesen befürchtet. Bei einer Unterredung vor dem Abendessen teilte uns Kapitän Fabian ferner mit, dass alle Hafenorte jedes Schiff mit Wasser, Proviant und Treibstoffen unter „Gelber Flagge“ versorgen würden. Die meisten Passagiere erwarteten zu diesem Zeitpunkt eher das mit dem 4. April 2020 ein Ende der Einschränkungen zu erwarten war. Und an Bord war ja davon nichts zu spüren. 

Die nächsten Tage waren ohnehin mit Freude erfüllt, die alte Lady bekam viel Wind aus der für unsere Fahrt idealen Richtung und mit neun Knoten durchpflügte das Schiff alle Wellen und „flog“ zu den Azoren. Ein amerikanischer Passagier und ein Ehepaar aus Salzburg hielten über ein Satellitentelefon Kontakt mit Familie und Freunden und leider waren dann diese Informationen nicht so positiv, sodass ein Ende der Einschränkungen nicht in Sicht war.

Am 22. März hatten wir die Hälfte der Zeit hinter uns, aber nur ein Drittel der tatsächlichen Strecke geschafft. Insgeheim hoffte jeder, dass, wenn Horta erreicht wird, hier die Reise auch ein Ende haben könnte. Das Thema „Ankommen“ tauchte immer wieder als positiver Fixpunkt im Alltag auf und war ein kleiner Hoffnungsschimmer am leicht bewölkten Vormittagshimmel. 

 Ab dem 23. März beschäftigen wir uns mit dem bevorstehenden Sturm und die Fenster von Kombüse und „Restaurant“ mit Abdeckungen zu schützen. Nachdem nur die Wache auf Deck durfte, veranstalteten die Passagiere „Konzertabende“ mit Nachbesprechung. Die Lautsprecher des Schiffes und das Equipment der Passagiere machten es möglich, dem Alltag ein wenig Kultur abzuringen.

Am Donnerstag, 26. März 2020, wurden alle vom Kapitän gebeten, Wunschlisten für den Fall zu erstellen, das wir nicht auf Faial an Land durften. Da die Winde in diesen Tagen dermaßen ungünstig waren und nur mit Motorunterstützung der Fahrplantag 31. März zu erreichen war, fügten wir uns den Winden wie alle „Seefahrer“ in früheren Zeiten es auch gemacht hätten. Zumal auch erst frühestens ab dem 4. April die Flughäfen wieder geöffnet werden durften. 

Am Sonntag, 29. März 2020 wurde die „gelbe Flagge“ gehisst und um vier morgens konnten die ersten Leuchtfeuer der Insel Faial gesichtet werden. Leider konnten wir nicht wie geplant einlaufen, da wegen der strengen Vorschriften am Quarantänequai immer nur ein Schiff versorgt werden durfte. Wir gingen also vor Lajes Do Pico, Insel Pico vor Anker und warteten bis wir an die Reihe kamen. Am 3. April segelten wir im strömenden Regen wieder nach Horta, um dort Wasser, Proviant und Treibstoff aufzunehmen. Dort trafen wir auch auf die Thor Heyerdahl und die Roald Amundsen, die ebenfalls auf ihre Weiterreise nach Europa warteten. Am Morgen des 4. April 2020 ging unsere Reise weiter, aber mit unbekanntem Ziel, denn ob es Lissabon, Spanien, das Mittelmeer, Frankreich, England oder Afrika sein würde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht.

 Am 11. April sichteten wir die ersten Langstreckensegler vor der Keltischen See, das Ziel war zunächst Falmouth/Südengland. Aufgrund der Wetterverhältnisse, im Kanal blies es gewaltig, war dann unser neues Ziel die Bucht von Douarnenez/Bretagne. Wir ankern vor Morgat und warten dort den Sturm ab, Wasser, Vorräte und Treibstoff reichten ja bis zu den Niederlanden.

Am 15. April konnten wir dann endlich um 10:00 Uhr ablegen, Zielhafen war nun Harlingen/Niederlande. Bei stürmischer See ging es an der wunderschönen französischen Küste vorbei, zwischen Jersey, dem Heimathafen der „Alten Lady“ und Guernsey hindurch, an den unzähligen Leuchttürmen, die in der Nacht als Standortnamen gut zu identifizieren waren. Auf der Höhe von Amsterdam zwang uns der Gegenwind erneut am 19. April 2020 zum Ankern, wir konnten aber am nächsten Tag zu unserem neuen Ziel, den Hafen Ijmuiden, aufbrechen und dort auch endlich an Land gehen! Am nächsten Tag hatten wir noch den obligatorischen Termin bei der Einwanderungsbehörde und danach konnte jeder seine Heimreise antreten.

Im Hintergrund hatte das unermüdlich und engagiert arbeitende Office der „Eye of the Wind“ in Merching dafür alles getan, damit dieser Törn beendet und alle wohlbehalten wieder nach Hause zurückkehren konnten.